
Warum nehmen wir uns eigentlich so wenig Zeit?
Es gibt Menschen, bei denen sieben Stunden vergehen und man überhaupt nicht merkt, wo die Zeit geblieben ist. Menschen, nach denen man nach Hause kommt und plötzlich merkt, wie gut es getan hat, einfach mal wieder zu lachen, zu reden und das ganze Drumherum für ein paar Stunden zu vergessen.
Manchmal gibt es wieder diese Schlüsselmomente.
Heute war so einer.
Ich finde es unglaublich, was ein einzelner Mensch in einem auslösen kann. Wie jemand es schafft, dass man für ein paar Stunden all die Gedanken vergisst, die sonst permanent im Kopf kreisen.
Den Stress. Die Sorgen. Dieses ständige Nachdenken über alles Mögliche.
Die Probleme sind natürlich nicht weg. Aber für ein paar Stunden trägt man sie irgendwie nicht die ganze Zeit mit sich herum.
Und genau deshalb frage ich mich gerade: Warum nimmt man sich eigentlich so wenig Zeit für genau diese Menschen?
Wir wollten uns in den letzten Wochen bestimmt schon drei- oder viermal treffen. Entweder war ich krank, sie war krank, eine von uns hatte keine Zeit oder es kam wieder irgendetwas dazwischen.
Dabei waren wir erst im Juli zusammen im Urlaub und hatten eine richtig schöne Zeit. Danach haben wir uns natürlich vorgenommen, uns viel öfter zu sehen.
Natürlich.
Und dann kommt wieder das Leben dazwischen.
Familie, Arbeit, Termine, Stress und manchmal auch einfach der eigene Kopf, der so voll ist, dass man denkt: Heute lieber nicht.
Heute hat es endlich geklappt.
Und schon im Auto war dieses Gefühl wieder da, dass man einfach weiterredet, als hätte es die ganze Zeit dazwischen überhaupt nicht gegeben.
Kein oberflächliches „Und, wie geht’s?“.
Wir waren einfach sofort wieder drin.
Wir haben geredet und irgendwann waren wir tanzen.
Und wir hatten wahnsinnig viel Spaß.
So richtig.
Musik, tanzen, lachen und einfach mal nicht darüber nachdenken, was sonst gerade alles los ist.
Und ich habe erst hinterher gemerkt, wie sehr mir genau das gefehlt hat.
Das Schöne war aber, dass dieser Abend eben nicht nur aus Tanzen und Spaß bestand.
Wir hatten schon vorher im Auto richtig gute Gespräche. Zwischendurch waren wir draußen und haben weitergeredet. Später ging es im Auto wieder weiter und selbst als ich längst zu Hause war, haben wir noch geschrieben.
Als hätten diese sieben Stunden irgendwie immer noch nicht gereicht.
Und genau das finde ich so verrückt.
Dass man in einem Moment völlig ausgelassen tanzt und lacht und kurze Zeit später über Dinge spricht, die einen wirklich beschäftigen.
Und beides fühlt sich vollkommen normal an.
Es war einfach nur schön.
Irgendwann war ich wieder zu Hause und habe auf die Uhr geschaut.
Halb vier.
Ungefähr sieben Stunden waren vergangen.
Sieben Stunden.
Und ich habe wirklich keine Ahnung, wo die hin sind.
Jetzt sitze ich hier, bin natürlich müde, aber gleichzeitig fühle ich mich leichter. Glücklicher. Irgendwie voller Energie.
Und genau dieses Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr so.
Dieser Abend hat mir einfach wahnsinnig gutgetan.
Das Verrückte daran ist: Nichts von dem, was mich vorher beschäftigt hat, ist dadurch verschwunden. Morgen sind dieselben Dinge noch da, über die ich mir vorher Gedanken gemacht habe.
Aber heute Abend war dafür einfach mal kein Platz.
Da war Platz für etwas anderes.
Für Spaß. Für Gespräche. Für Lachen. Für Tanzen. Und für einen Menschen, bei dem sieben Stunden vergehen und man danach offensichtlich trotzdem noch nicht fertig mit Reden ist.
Und da frage ich mich wirklich:
Warum schieben wir genau solche Treffen immer wieder auf?
Ich nehme mich davon überhaupt nicht aus.
Ich mache das genauso.
Wenn viel los ist, denke ich auch: Nee, heute nicht. Mein Kopf ist voll. Ich habe keine Zeit. Machen wir nächste Woche.
Und dann wird aus nächster Woche irgendwann übernächste Woche.
Dabei weiß man doch eigentlich ganz genau, welche Menschen einem guttun.
Bei wem man lachen kann.
Mit wem man über völligen Blödsinn reden und fünf Minuten später ein richtig tiefgründiges Gespräch führen kann.
Und bei wem man nach Hause kommt und denkt:
Verdammt, genau das habe ich gerade gebraucht.
Warum fällt es uns dann trotzdem so schwer, uns genau dafür Zeit zu nehmen?
Vielleicht denken wir wirklich immer, später wäre der bessere Zeitpunkt.
Wenn weniger los ist.
Wenn der Kopf freier ist.
Wenn das Leben gerade ein bisschen ruhiger läuft.
Aber wann ist das eigentlich?
Ich weiß es nicht.
Und genau deshalb beschäftigt mich dieser Abend gerade so.
Wir wissen doch ganz tief in uns drin, welche Menschen uns guttun. Wir wissen, wie wir uns nach solchen Begegnungen fühlen.
Und trotzdem schieben wir sie auf.
Ist es Bequemlichkeit?
Ist es der volle Kopf?
Oder glauben wir wirklich immer, irgendwann kommt der bessere Zeitpunkt?
Keine Ahnung.
Ich weiß nur, dass ich heute nach Hause gekommen bin und gedacht habe:
Verdammt, das hat mir gutgetan.
Und wenn jemand eine Antwort darauf hat, warum wir uns für genau solche Menschen trotzdem immer wieder viel zu wenig Zeit nehmen:
Ich würde sie wirklich gerne wissen.
Bereich: Aktuelles
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