
Wenn aus Singen im Badezimmer plötzlich The Voice Kids wird
Teil der Serie: Wenn aus Singen im Badezimmer plötzlich The Voice Kids wird
Jahrelang sang sie am liebsten für sich allein – und wollte von Gesangsunterricht oder Casting nichts wissen. Bis sie eines Abends plötzlich vor mir stand und sagte: „Mama, ich möchte mich bei The Voice Kids anmelden.“
Manchmal entwickeln sich Dinge jahrelang ganz still nebenbei – und plötzlich sitzt man da und denkt: Okay. Jetzt wird es ernst.
Meine Tochter hat eigentlich schon immer gerne gesungen. Woher sie das hat, kann ich allerdings nicht sagen. Von mir definitiv nicht.
Als sie ungefähr zwei Jahre alt war, habe ich ihr abends zum Einschlafen immer „La-Le-Lu“ vorgesungen. Irgendwann schaute sie mich dabei ganz ernst an und sagte:
„Mama, nicht singen.“
Na toll. Danke auch.
Gesungen wurde trotzdem – nur bitte nicht vor anderen
Mit den Jahren wurde ziemlich deutlich, dass sie selbst wesentlich mehr Talent zum Singen hatte als ihre Mutter. Sobald sie allein war, wurde geträllert. Besonders gern im Badezimmer. Sie sang einfach vor sich hin, ohne großes Tamtam und vor allem ohne den Wunsch, daraus irgendetwas zu machen.
Als sie ungefähr zehn oder elf war, sagte ich irgendwann zu ihr: „Mensch, nimm doch Gesangsunterricht.“
Keine Chance.
Gesangsunterricht wollte sie partout nicht. Und auch meine immer wieder eingestreute Idee, dass wir sie doch mal bei The Voice Kids anmelden könnten, stieß nicht gerade auf Begeisterung.
Also habe ich sie gelassen. Es bringt ja nichts, ein Kind zu etwas zu drängen, nur weil man selbst glaubt, dass es das vielleicht gut könnte.
Immerhin machte sie seit der fünften Klasse beim Weihnachtschor ihrer Schule mit. Für jemanden, der eigentlich nicht vor anderen singen wollte, war das schon ein ziemlich großer Schritt.
Manchmal braucht es jemanden von außen
Vor ungefähr zwei Jahren kam ein neuer Musiklehrer an ihre Schule. Und der hörte offenbar etwas, das ich schon länger gehört hatte.
Er ermutigte sie. Sagte ihr, dass sie gut singen könne und doch Gesangsunterricht nehmen sollte.
Und irgendwie fing dadurch langsam etwas an, sich zu verändern.
Nicht von heute auf morgen. Nicht mit einem großen Knall. Aber plötzlich war da ein bisschen mehr Zutrauen in die eigene Stimme.
Und dann kam dieser Abend im April.
Meine Tochter hatte mit ihrer Großgroßcousine geschrieben, kam anschließend zu mir und sagte:
„Mama, ich möchte mich bei The Voice Kids anmelden.“
Ich glaube, meine erste Reaktion war ungefähr:
„Was? Du willst?!“
Ja. Wollte sie.
Und plötzlich drehten wir Bewerbungsvideos
Zwei Tage später standen wir da und nahmen Musikvideos auf.
Stundenlang.
Natürlich zunächst falsch.
Nachdem ich die Bedingungen noch einmal richtig gelesen hatte, stellte ich fest, dass Gesicht und Körper vollständig zu sehen sein mussten. Also das Ganze noch einmal von vorn.
Und dann sang sie „Hallelujah“.
Wunderschön.
So wunderschön, dass ihre Mutter völlig gerührt dastand – und vergaß, auf Aufnahme zu drücken.
Als wir das bemerkten, war die Begeisterung meines Kindes verständlicherweise eher überschaubar.
Sie verschwand in ihrem Zimmer.
Eine Stunde lang.
Kein Wort mit mir.
Ich hatte also nicht nur die Aufnahme von „Hallelujah“ vergeigt, sondern durfte mir anschließend auch noch eine Stunde lang anschauen, wie hervorragend mein Kind darin ist, mich zu ignorieren.
Nach ungefähr einer Stunde konnte ich sie schließlich überzeugen, wieder mitzukommen und es noch einmal zu versuchen.
Und zum Glück hat sie es gemacht.
Diesmal habe ich sogar auf Aufnahme gedrückt.
Bewerbung abschicken – leichter gesagt als getan
Dann kamen die ganzen Fragen für die Bewerbung. Und natürlich mussten die Videos bestimmte Vorgaben erfüllen: bestimmte Länge, bestimmte Dateigröße.
Für jemanden, der so etwas vorher noch nie gemacht hat, war auch das schon eine kleine Challenge.
Also habe ich mich belesen, ausprobiert, geschnitten und irgendwie haben wir es am Ende tatsächlich hinbekommen.
Die Bewerbung war raus.
Das war im April.
Und dann?
Nichts.
Wir hörten erst einmal überhaupt nichts.
Irgendwann kam die Information, dass wir einen möglichen Castingtermin auswählen sollten und die Bewerbung anschließend entsprechend ausgewertet wird.
Also warteten wir weiter.
„Wir möchten dich gerne persönlich kennenlernen“
Und dann saßen wir ausgerechnet im Urlaub im Taxi.
Plötzlich kam die Nachricht:
„Herzlichen Glückwunsch – wir möchten dich gerne persönlich kennenlernen.“
Ich glaube, wir haben uns beide einfach wahnsinnig gefreut.
Natürlich wissen wir, dass zu diesen Castings viele talentierte Kinder eingeladen werden und dass dort erst die weitere Auswahl stattfindet. Eine Einladung bedeutet noch lange nicht, dass es danach weitergeht.
Aber für meine Tochter bedeutet sie trotzdem etwas.
Sie hat sich jahrelang nicht getraut, mit ihrer Stimme wirklich nach draußen zu gehen. Wollte keinen Gesangsunterricht, wollte nicht vorsingen und wollte schon gar nicht zu The Voice Kids.
Und irgendwann kam die Entscheidung von ihr selbst:
„Mama, ich möchte das machen.“
Allein das finde ich ziemlich groß.
Jetzt wird geübt, vorbereitet und wahrscheinlich noch hundertmal überlegt, welches Lied wie gesungen werden soll.
Und dann geht es nach Berlin.
Wie es dort ausgeht?
Keine Ahnung.
Aber genau das ist ja das Spannende daran.
Fortsetzung folgt.
Bereich: Familie & Kinder
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