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Schulkind im Himmel
Persönlicher BeitragAktuelles16. August 2026· 4 Min. Lesezeit

Schulkind im Himmel

Eigentlich war heute ein schöner Tag. Für viele Kinder begann mit dem Schulanfang ein neuer Lebensabschnitt. Doch wir haben heute auch an eine kleine Maus gedacht, die diesen Meilenstein nicht mehr selbst erleben durfte – und ihren Schulanfang auf eine ganz besondere Weise zelebriert.

Eigentlich war heute ein schöner Tag.

Jedenfalls für viele, viele Kinder, denn bei uns wurde heute Schulanfang gefeiert.

Überall lachende Gesichter. Aufgeregte Kinder. Fröhliche Eltern – und wahrscheinlich mindestens genauso viele völlig gestresste Eltern nach all den Vorbereitungen.

Freut sich das eigene Kind über die Zuckertüte? Wie wird die neue Lehrerin sein? Wer sitzt mit in der Klasse? Findet mein Kind schnell Anschluss?

Schließlich kommen nicht einfach komplette Kindergartengruppen geschlossen in dieselbe Schule. Plötzlich treffen Kinder aus ganz unterschiedlichen Orten und Einrichtungen aufeinander. Sie lernen ihre neuen Klassenkameraden und ihre Lehrerin kennen. Und dann sitzen die Schulanfänger da und schauen sich das Programm an, das andere Kinder aus der Grundschule extra für sie auf der Bühne aufführen.

Und bei uns ist dieser Tag etwas Besonderes.

Schulanfang wird richtig gefeiert.

Auch wir waren heute überall verteilt. Ich war beim Schulanfang meiner besten Freundin, meine Mama bei meiner Cousine, meine Schwester bei ihrer Nachbarin. Ganz unterschiedliche Feiern – und jede für sich schön.

Es war wahnsinnig warm. Die Kinder waren aufgeregt, es wurde gegessen, geredet, gelacht und gefeiert.

Und trotzdem gab es heute noch einen anderen Schulanfang.

Einen, den man wahrscheinlich nicht wirklich „feiern“ nennen kann.

Vielleicht trifft zelebrieren es besser.

Denn heute wäre auch für eine kleine Maus ein großer Meilenstein gewesen, die diesen Tag nicht mehr selbst erleben durfte.

Vor zwei Jahren ist die kleine Maus einer lieben Freundin von mir ganz plötzlich bei einem Unfall verstorben.

Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich hier bei Challenge Ju Life mehr über ihre Geschichte erzählen darf. Im Moment ist es noch nicht so weit. Und das ist völlig in Ordnung.

Über den heutigen Tag darf ich aber erzählen.

Nachdem ich zunächst bei einem anderen Schulanfang gewesen war und dort noch mit zu Abend gegessen hatte, verabschiedete ich mich relativ schnell. Ich hatte versprochen, später noch zu meiner Freundin zu kommen.

Als ich dort ankam, hatte die Familie alles vorbereitet.

Ein kleines Zelt stand da. Eine Girlande hing. Essen war vorbereitet.

Und dann saßen wir alle zusammen.

Sie hatte einen wunderschönen Text geschrieben.

Darüber, warum sie diesen Tag trotzdem begehen möchten.

Darüber, wie schwer es ist.

Und über einen Gedanken, der ihnen momentan ungemein hilft:

Die Vorstellung, dass es vielleicht auch im Himmel eine Schule gibt.

Mit vielen Wolken. Mit lieben Menschen. Vielleicht mit anderen Kindern.

Eine Schule, in der ihre kleine Maus genauso lernen darf. Neues entdeckt. Freunde findet. All die Dinge erlebt, die hier auf der Erde eigentlich noch vor ihr gelegen hätten.

Ich weiß nicht, woran man glauben muss.

Aber ich finde diese Vorstellung wunderschön.

Sie hatten das kleine Bäumchen geschmückt. Mit Dingen, die an ihre kleine Maus erinnern, und natürlich durfte auch das Lieblingstier nicht fehlen.

Ich hatte einen kleinen Blumentopf mitgebracht, außen herum bunte Stifte, darin eine weiße Rose.

Und wenn ihr euch das Bild zu diesem Beitrag anschaut: So ähnlich sah es heute tatsächlich aus.

Wir ließen Luftballons steigen, machten später noch ein kleines Feuerwerk, dachten an die kleine Maus und schickten gute Wünsche in den Himmel.

Und dann kam diese Ansprache.

Ich glaube, sie hat jeden von uns erwischt.

Uns liefen die Tränen.

Vielleicht gibt es für solche Momente auch gar nicht die richtigen Worte.

Ich habe heute selbst darüber nachgedacht, ob ich sagen kann, dass ich hoffe, dass solche Meilensteine irgendwann ohne Tränen möglich sind.

Aber selbst das fühlt sich irgendwie falsch an.

Denn wahrscheinlich geht es gar nicht darum, einen solchen Verlust irgendwann zu „verkraften“.

Wie soll man den Tod seiner eigenen kleinen Maus einfach verkraften?

Vielleicht geht es vielmehr darum, irgendwie zu lernen, mit diesem Verlust weiterzuleben.

Und vielleicht werden manche Tage irgendwann ein kleines bisschen leichter. Vielleicht mischt sich irgendwann neben die Traurigkeit immer mehr das Lächeln über die Erinnerungen.

Ich weiß es nicht.

Und ich möchte auch gar nicht so tun, als wüsste ich es.

Was mich heute aber unglaublich berührt hat, war die Art, wie diese Familie mit solchen Tagen umgeht.

Andere Menschen würden sich vielleicht verkriechen. Die Decke über den Kopf ziehen. Niemanden sehen wollen.

Und auch das wäre vollkommen verständlich.

Sie machen es anders.

Sie zelebrieren diese Tage.

Geburtstage. Besondere Daten. Und heute den Schulanfang.

Fast so, als wäre ihre kleine Maus noch mitten unter ihnen.

Sie schmücken, sie kommen zusammen, sie erzählen, sie erinnern sich und schicken gute Wünsche dorthin, wo sie ihre kleine Maus jetzt vermuten.

Ich finde das bewundernswert.

Nicht, weil das die „richtige“ Art zu trauern wäre.

Die gibt es wahrscheinlich überhaupt nicht.

Jeder Mensch trauert anders.

Niemand von außen kann sagen: Ich würde das so machen. Oder: So könnte ich das niemals.

Denn solange man nicht selbst in dieser Situation gewesen ist, weiß man es schlicht nicht.

Ich weiß auch nicht, wie ich damit umgehen würde.

Vielleicht würde ich mich verkriechen.

Vielleicht würde ich jeden einzelnen Meilenstein genauso feiern.

Keine Ahnung.

Aber heute durfte ich einen solchen Tag miterleben.

Einen Schulanfang, bei dem keine aufgeregte kleine Maus mit ihrer Zuckertüte vor uns stand.

Und trotzdem war sie irgendwie überall.

Im geschmückten Bäumchen. In den kleinen Erinnerungen. In den Geschichten. In den Tränen. Und in den Gedanken, die heute in den Himmel geschickt wurden.

Vielleicht gibt es sie ja wirklich.

Diese kleine Schule irgendwo zwischen den Wolken.

Und vielleicht war heute dort oben ebenfalls Schulanfang.

Schulkind im Himmel.

Bereich: Aktuelles

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