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Wer keine Arbeit hat …
Persönlicher BeitragAktuelles23. August 2026· 4 Min. Lesezeit

Wer keine Arbeit hat …

Eigentlich ging es nur um drei fest sitzende Micky-Maus-Ventilkappen. Doch während mein Mann fast zwei Stunden davor saß und einfach nur sagte „Ich kümmere mich“, wurde mir wieder einmal bewusst, wie froh ich bin, ihn zu haben.

Wer keine Arbeit hat … ihr wisst schon.

Wie ich ja schon ein paar Mal erwähnt habe, war mein Mann in den letzten Wochen nicht da. Und natürlich war genau in dieser Zeit ständig irgendwas.

Nicht nur, dass wir unsere ungebetenen kleinen Besucher in der Wohnung hatten. Nein, auch mein Auto erinnerte mich permanent daran, dass mit dem Reifendruck irgendwas nicht stimmt.

Ich wusste natürlich, dass ich mich darum kümmern muss, fand es aber nun auch nicht so dramatisch, dass ich alles stehen und liegen lasse. Also war ich zwischendurch ein paar Mal an der Tankstelle und wollte Luft aufpumpen.

Nur bekam ich die Ventilkappen einfach nicht ab.

Mein Mann meinte irgendwann: „Nimm doch unseren Sohn mit.“

Gute Idee.

Habe ich natürlich wieder vergessen.

Heute war ich dann mit meinem Sohn zusammen an der Tankstelle, weil ich sowieso noch etwas besorgen musste. Und als er schon einmal mit war, dachte ich: Perfekt.

„Oh, wenn du einmal mit bist, das ist aber toll. Dann hilf mir doch mal hier.“

Gesagt, getan.

Nur hatte mein Sohn genauso wenig Erfolg wie ich.

Wir sind sogar noch einmal extra in die Tankstelle gegangen und haben nach einer kleinen Zange gefragt. Aber nachdem auch das nichts gebracht hat, haben wir lieber aufgehört, bevor wir noch irgendetwas kaputt machen.

Also musste Papa ran.

Und jetzt muss ich vielleicht erklären, warum diese drei kleinen Ventilkappen (eine hatte ich schon verloren) überhaupt so ein Problem werden konnten.

Ich bin ein absolutes Werbeopfer.

Wenn ich etwas sehe, was mir gefällt, möchte ich es haben. Und wenn dann auch noch Micky Maus drauf ist, wird es schwierig.

Ich liebe Disney und unter anderem eben Micky Maus.

Wir waren vor ein paar Jahren im Disneyland und bei diesen ganzen Figuren gab es teilweise Warteschlangen, bei denen ich nur dachte: Niemals.

Ich habe mich für keine einzige angestellt.

Außer für Micky Maus.

Da waren es dann plötzlich drei Stunden.

Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass hauptsächlich mein Mann diese drei Stunden dort stand. Ganz tapfer hat er unseren Platz verteidigt, während wir zwischendurch auch mal rauskonnten, etwas trinken oder sonst irgendwas machen konnten.

Nur damit ich am Ende meine Micky Maus sehe.

Und irgendwann habe ich dann fürs Auto Ventilkappen mit Micky Maus entdeckt.

Natürlich habe ich sie bestellt.

Die normalen Kappen runter, meine Micky-Maus-Kappen drauf und alles war gut.

Ich weiß, es sieht kein Mensch, aber ich war glücklich.

Eine ganze Zeit lang gab es damit auch überhaupt keine Probleme. Wenn wir an die Ventile mussten, gingen die Kappen ganz normal ab.

Bis jetzt.

Nach längerer Zeit, verschiedenen Temperaturen und zuletzt dieser extremen Hitze saßen die Dinger plötzlich so fest, dass wir keine Chance mehr hatten.

Und so kam es, dass mein Mann seinen Sonntagabend vor meinem Auto verbrachte.

Nicht fünf Minuten.

Auch nicht mal schnell eine halbe Stunde.

Am Ende waren es fast zwei Stunden, in denen er probierte, diese drei kleinen Micky-Maus-Ventilkappen wieder herunterzubekommen.

Und mir tat es mit jeder Minute mehr leid.

So war das natürlich überhaupt nicht gedacht.

Vor allem hätte ich es ihm nicht einmal verdenken können, wenn irgendwann ein genervter Kommentar gekommen wäre. Schließlich saß er da nicht wegen irgendeines komplizierten Defekts am Auto, sondern wegen meiner unbedingt benötigten Micky Maus auf den Ventilen.

Aber er hat nicht gemeckert.

Er hat gelacht und nur gesagt:

„Ich kümmere mich.“

Also habe ich ihn machen lassen.

Irgendwann kam dann doch noch ein kleiner Spruch.

„Ich könnte ja jetzt das sagen, was du immer sagst, wenn irgendwas schiefläuft: In Zukunft hören wir auf mich.“

Okay.

Den hatte ich verdient.

Aber er hat es geschafft.

Die Ventilkappen waren irgendwann runter, der Reifendruck wieder in Ordnung und mein schlechtes Gewissen zumindest ein kleines bisschen beruhigt.

Später saßen wir noch zusammen unter unserem Walnussbaum.

Und da musste ich an etwas denken.

Vor ein paar Jahren steht dieser Mann drei Stunden in einer Warteschlange, damit ich Micky Maus sehen kann.

Heute sitzt er fast zwei Stunden vor meinem Auto, weil ich irgendwann der Meinung war, dass selbst meine Ventilkappen unbedingt Micky Maus brauchen.

Und beides macht er ohne großes Theater.

Vielleicht war es genau das, was mich an diesem Abend so berührt hat.

Nicht diese Ventilkappen. Nicht das Auto. Und ganz sicher nicht der Reifendruck.

Sondern dieses völlig selbstverständliche:

„Ich kümmere mich.“

Wir saßen danach einfach noch unter unserem Walnussbaum und der ganze Quatsch mit dem Auto war schon fast wieder vergessen.

Und ich schaute ihn an und dachte nur:

Gott, bin ich froh, dass ich ihn hab.

Bereich: Aktuelles

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