
Die Verordnung der Zwangspause
Eigentlich sollte heute unsere Webseite online gehen. Doch dann waren plötzlich die Credits leer – und ausgerechnet dieses kleine technische Problem wurde zu einer Pause, die ich wahrscheinlich viel nötiger hatte, als ich dachte.
Eigentlich war der Plan für heute ziemlich eindeutig:
Unsere Webseite geht online.
Eigentlich.
Denn wie das eben so ist, wenn man sich einbildet, dass jetzt endlich alles fertig ist, taucht natürlich irgendwo noch ein Fehler auf. Irgendwas funktioniert nicht. Irgendwas sieht nicht so aus, wie es soll. Irgendwas macht einfach nicht das, was ich will.
Und irgendwann sitzt man davor und denkt nur noch: Das kann doch jetzt nicht wahr sein.
Bei der Erstellung der Webseite arbeite ich mit sogenannten Credits. Die brauche ich, wenn ich Änderungen vornehmen möchte. Und davon hatte ich in den vergangenen Tagen einige gebraucht.
Farbverlauf ändern.
Nee, gefällt mir nicht.
Nochmal ändern.
Auch nicht.
Anders machen.
Wird nicht so umgesetzt, wie ich es mir vorgestellt habe.
Also wieder ran.
Ich habe probiert, geändert, verworfen und wieder von vorne angefangen. Und während meine Nerven langsam weniger wurden, wurden es meine Credits leider auch.
Bis schließlich da stand:
Nichts mehr da.
Und da saß ich nun.
Was die Sache noch ein bisschen komplizierter macht: Es ist gar nicht mein eigener Account.
Ich habe den Zugang vor einiger Zeit von einem ganz lieben Menschen bekommen. Im Grunde mit den Worten:
„Hier, probier dich einfach mal aus.“
Und ich glaube, keiner von uns beiden hätte damals gedacht, was aus diesem kleinen „Probier dich mal aus“ tatsächlich entstehen würde.
Ganz bestimmt hätte ich nicht gedacht, dass ich irgendwann nachts um zwei vor einer fast fertigen eigenen Webseite sitze und mich darüber ärgere, dass irgendein Farbverlauf nicht genau so aussieht, wie ich ihn haben möchte.
Und jetzt stehen wir tatsächlich kurz davor, dass dieses Ding online geht.
Völlig verrückt eigentlich.
Was aus ein paar Gedanken, ein bisschen Mut und einem einfachen „Komm, ich gebe dir meinen Account, probier dich aus“ entstehen kann.
Das Problem war nur:
Meine Credits waren alle.
Und weil es eben nicht mein Account ist, konnte ich nicht einfach selbst neue kaufen. Ich musste fragen.
Also schrieb ich ganz lieb eine Nachricht. Nicht im Sinne von: „Los! Schnell! Ich muss hier weitermachen!“
Sondern eher:
„Wenn du Zeit hast … wäre es ganz lieb …“
Und dann hieß es warten.
Ausgerechnet heute hatte derjenige übrigens auch noch Geburtstag. An dieser Stelle deshalb noch einmal: Herzlichen Glückwunsch! Auch wenn ich natürlich schon persönlich gratuliert habe.
Irgendwann kam die Antwort. Die Credits wurden aufgeladen und ich konnte weitermachen.
Nur lagen zwischen meiner Nachricht und der Antwort ein paar Stunden.
Und diese paar Stunden waren wahrscheinlich genau das, was ich gebraucht habe.
Denn ich war fertig.
Ich hatte die letzten Nächte – so wie auch heute – wieder stundenlang an dieser Webseite gesessen. Immer noch eine Kleinigkeit. Noch eine Änderung. Noch einmal kontrollieren. Noch schnell dies. Noch schnell das.
Und plötzlich konnte ich nichts davon machen.
Keine Credits.
Keine Änderungen.
Keine Ausrede.
Also habe ich mich hingelegt.
Und geschlafen.
Einfach so.
Mitten am Tag.
Und wisst ihr was?
Es tat so gut.
Vielleicht hätte ich diese Pause von allein wieder nicht gemacht. Wahrscheinlich hätte ich weitergesessen, weitergebastelt und mir eingeredet, dass ich „nur noch schnell“ diese eine Sache fertig mache.
Aber manchmal scheint das Leben andere Pläne zu haben.
Dann sind plötzlich die Credits leer.
Jemand antwortet nicht sofort.
Etwas funktioniert nicht.
Und genau in dem Moment, in dem man sich darüber ärgert, merkt man ein paar Stunden später:
Vielleicht war genau das gerade nötig.
Meine Webseite ist übrigens inzwischen technisch geprüft und läuft endlich so, wie ich es möchte.
Und jetzt sitze ich wieder hier.
Die Credits sind da.
Ich bin wieder wach.
Und natürlich mache ich weiter.
Aber diese paar Stunden heute haben mir ziemlich deutlich gezeigt, dass eine Pause nicht immer bedeutet, dass man nicht vorankommt.
Manchmal ist sie genau das, was man braucht, damit man danach überhaupt wieder vernünftig weitermachen kann.
Meine Zwangspause musste mir heute offenbar niemand persönlich verordnen.
Das haben die Credits übernommen.
Bereich: Aktuelles
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