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Ich dachte, danach wird es leichter
Persönlicher BeitragAktuelles05. Oktober 2026· 4 Min. Lesezeit

Ich dachte, danach wird es leichter

Die Beerdigung meiner Oma ist jetzt sieben Tage her. Ich dachte, danach würde vielleicht etwas Ruhe einkehren. Stattdessen merke ich gerade erst, wie tief diese Lücke wirklich ist.

Die Beerdigung meiner Oma ist jetzt sieben Tage her.

Und eigentlich habe ich gedacht, dass es danach vielleicht ein bisschen leichter wird.

Dass mit der Beerdigung irgendwie etwas abgeschlossen ist. Dass ein bisschen Ruhe einkehrt und ich langsam wieder anfangen kann, nach vorne zu schauen.

Aber ganz im Gegenteil.

Im Moment wird es mit jedem Tag schlimmer.

Mein Magen drückt. Mein Herz fühlt sich an wie zugeschnürt. Sobald ich an meine Oma denke, kommen mir die Tränen.

Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, als hätte mir jemand ein Stück meines Herzens herausgerissen.

Und ich hätte mir niemals träumen lassen, wie schwer das sein kann.

Dabei habe ich eigentlich einen Haufen Ideen im Kopf. Dinge, die ich machen möchte und Dinge, die gemacht werden müssten.

Aber ich bekomme im Moment kaum etwas davon hin.

Ich habe für unsere ganze Familie ein Erinnerungsvideo gemacht. Mit Bildern aus ihrem Leben und mit ihrem Lied, das auch bei ihrer Beisetzung gespielt wurde.

Sie hat André Rieu so geliebt.

Und natürlich sind diese Erinnerungen wunderschön.

Aber im Moment tun sie gleichzeitig wahnsinnig weh.

Mir geht es einfach hundeelend.

Vielleicht gibt es Menschen, die sagen: Es war deine Oma. Sie war alt. Man weiß doch, dass dieser Tag irgendwann kommt.

Ja.

Das wusste ich auch.

Aber Alter sagt überhaupt nichts darüber aus, wie sehr ein Mensch einem fehlen kann.

Meine Oma hat mich über 40 Jahre begleitet. Ich bin mit ihr aufgewachsen, sie hat meine Kinder aufwachsen sehen und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Sie war ein fester Bestandteil meines Lebens.

Und ich glaube, man kann nur verstehen, warum mich dieser Verlust so trifft, wenn man weiß, was für eine enge Bindung wir hatten.

Auch meine Kinder leiden.

Sie haben ihre Uroma verloren. Und gleichzeitig sehen sie, wie schlecht es mir gerade geht.

Das macht es nicht leichter.

Am schlimmsten ist für mich momentan aber ihre Wohnung.

Jedes Mal, wenn ich sie betrete, möchte ich am liebsten anfangen, alles wieder aufzuräumen.

Alles wieder an seinen Platz stellen.

Alles wieder so herstellen, wie es vorher war.

Ich möchte einfach, dass es wieder aussieht wie ihre Wohnung.

Und gleichzeitig weiß ich natürlich, dass genau das nicht mehr geht.

Sie muss beräumt werden.

Sachen müssen weggeräumt, verteilt oder aussortiert werden.

Und jedes Mal, wenn dort etwas verändert wird, fühlt es sich für mich an, als würde wieder ein kleines Stück von dem verschwinden, was vorher ganz selbstverständlich da war.

Das tut unglaublich weh.

Mein Kopf weiß, dass es gemacht werden muss.

Mein Gefühl ist noch lange nicht so weit.

Ich habe schon andere Menschen verloren, die ich sehr geliebt habe.

Meinen Opa.

Meinen Papa.

Und auch diese Verluste waren schlimm.

Aber nichts hat mich bisher so zerrissen wie der Tod meiner Oma.

Nicht, weil diese Menschen weniger wichtig gewesen wären.

So etwas kann und möchte ich überhaupt nicht gegeneinander aufwiegen.

Aber jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Platz in unserem Leben.

Und meine Oma hatte einen ganz besonderen in meinem.

Ich habe einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben verloren.

Vielleicht begreife ich auch deshalb erst jetzt langsam, was das wirklich bedeutet.

Die Beerdigung ist vorbei.

Die ganzen Dinge, die vorher organisiert werden mussten, werden weniger.

Und plötzlich bleibt mehr Raum für das, was vorher vielleicht noch gar keinen richtigen Platz hatte:

Dass sie wirklich nicht mehr da ist.

Vielleicht habe ich deshalb gedacht, nach der Beerdigung würde es leichter werden.

Im Moment ist es genau andersherum.

Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie lange das so bleibt.

Ich hoffe einfach, dass irgendwann der Moment kommt, an dem die Erinnerungen nicht mehr zuerst wehtun.

Dass ich ihr Bild anschauen kann und lächle.

Dass ich an irgendeine Geschichte mit ihr denke und mich darüber freue, anstatt sofort zu weinen.

Aber da bin ich gerade noch nicht.

Im Moment fehlt sie mir einfach unendlich.

Und vielleicht muss ich auch gar nicht wissen, wie ich damit umgehen soll.

Vielleicht sind sieben Tage nach der Beerdigung einfach noch viel zu früh dafür.

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur:

Ich hätte mir niemals vorstellen können, wie groß die Lücke sein würde, die sie hinterlässt.

Vielleicht auch deshalb, weil es für mich über 40 Jahre einfach selbstverständlich war, dass sie da ist.

Sie war immer da.

Bereich: Aktuelles

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