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Opa Horst und das zähe Fleisch
Folge 9Opa-Horst-GeschichtePflege verstehenEssen & Trinken13. September 2026· 4 Min. Lesezeit

Opa Horst und das zähe Fleisch

Teil der Serie: Opa Horst – Pflege verstehen ohne Fachchinesisch

Opa Horst behauptet, die Roulade sei zäh. Schrapnella probiert selbst – eigentlich ist sie ziemlich zart. Als später auch der Keks liegen bleibt, während der weiche Kuchen problemlos verschwindet, wird sie aufmerksam.

Das Fleisch ist schuld

Sonntagmittag.

Schrapnella hatte gekocht.

Rouladen, Kartoffeln und Gemüse.

Nichts Besonderes.

Zumindest hatte sie das gedacht.

Opa Horst schnitt ein Stück Fleisch ab, schob es in den Mund und kaute.

Und kaute.

Und kaute.

Schrapnella aß weiter.

Opa Horst immer noch nicht.

Irgendwann legte er die Gabel hin.

„Das Fleisch wird auch jedes Jahr zäher.“

Schrapnella sah auf ihren Teller.

Dann auf seinen.

„Meins nicht.“

„Dann hast du das bessere Stück.“

„Aus derselben Roulade?“

„Offensichtlich.“

Schrapnella schnitt ein kleines Stück von seinem Fleisch ab und probierte.

Opa Horst beobachtete sie.

Sie kaute.

Schluckte.

„Was?“, fragte er.

„Nichts.“

„Doch.“

„Ist eigentlich ziemlich zart.“

Opa Horst nahm seine Gabel wieder in die Hand.

„Für dich vielleicht.“

„Kann sein.“

Mehr sagte sie nicht.

Opa Horst aß weiter.

Kartoffeln gingen gut.

Das Gemüse auch.

Beim Fleisch wurde es wieder langsam.

Schrapnella ließ ihn in Ruhe.

Eine Weile später schob Opa Horst den Rest der Roulade an den Tellerrand.

„Willst du die nicht mehr?“

„Bin satt.“

Schrapnella sah auf die halbe Roulade.

„Seit wann lässt du Fleisch liegen?“

„Seit heute.“

„Okay.“

Opa Horst schob sich noch eine Kartoffel in den Mund.

Schrapnella musste sich ein Lächeln verkneifen.

Satt.

Natürlich.

Nur für Kartoffeln offenbar nicht.

Nach dem Essen räumten sie gemeinsam den Tisch ab.

Opa Horst brachte die Teller in die Küche.

Die halbe Roulade lag noch immer auf seinem.

Schrapnella stellte sie in den Kühlschrank.

„Die kannst du morgen essen.“

„Kannst du behalten.“

„So schlimm?“

„Zäh.“

„Mhm.“

Opa Horst drehte sich zu ihr.

„Was heißt jetzt mhm?“

„Mhm heißt mhm.“

„Bei dir nicht.“

Schrapnella lehnte sich an die Arbeitsplatte.

„Ist dir beim Essen irgendwas unangenehm?“

„Nein.“

„Tut was weh?“

„Nein.“

„Dann ist gut.“

Opa Horst sah sie überrascht an.

„Das war's?“

„Das war's.“

„Keine Untersuchung?“

„Heute nicht.“

Er nickte zufrieden.

„Sehr vernünftig.“

Schrapnella nahm die restlichen Sachen vom Tisch.

Opa Horst ging ins Wohnzimmer.

Das Thema war damit erst einmal erledigt.

Bis zum Nachmittag.

Zum Tee stellte Schrapnella ein paar Kekse und Kuchen auf den Tisch.

Opa Horst nahm einen Keks.

Biss hinein.

Kaute kurz.

Dann legte er den Rest zurück.

Ohne Kommentar griff er zum Kuchen.

Der war innerhalb weniger Sekunden verschwunden.

Schrapnella sah vom Keks zum Kuchen.

„Was?“

„Nichts.“

„Du guckst.“

„Ja.“

Opa Horst nahm noch ein Stück Kuchen.

„Der ist wenigstens vernünftig.“

Schrapnella sagte nichts.

Diesmal musste sie auch nichts probieren.

Am Abend, bevor sie nach Hause fuhr, stand Opa Horst im Flur.

„Nächstes Mal machst du was Weiches.“

Schrapnella zog ihre Jacke an.

„Was denn?“

„Keine Ahnung.“

„Kartoffelbrei?“

„Ich bin nicht hundert.“

„Grießbrei?“

Opa Horst öffnete die Haustür.

„Geh nach Hause.“

Schrapnella lachte.

„Bis Dienstag.“

„Und bring vernünftiges Essen mit.“

„Mach ich.“

Hinter ihr fiel die Tür zu.


Was steckt dahinter? – Pflegewissen

Wenn jemand plötzlich langsamer kaut, bestimmte Lebensmittel liegen lässt oder lieber weichere Speisen auswählt, lohnt sich ein genauerer Blick.

Bei Opa Horst hätte es tatsächlich einfach an der Roulade liegen können.

Deshalb probiert Schrapnella ein Stück.

Zäh ist es eigentlich nicht.

Später bleibt dann auch der Keks liegen, während der weiche Kuchen problemlos gegessen wird.

Damit weiß Schrapnella noch immer nicht, was dahintersteckt.

Aber sie hat einen Grund, beim nächsten Mal wieder darauf zu achten.

Wenn solche Veränderungen häufiger vorkommen, können zum Beispiel Beschwerden an Zähnen oder Zahnfleisch eine Rolle spielen. Auch Zahnersatz, der nicht mehr richtig sitzt, oder ein trockener Mund können das Kauen und Essen unangenehmer machen.

Das muss bei Opa Horst nicht der Fall sein.

Er sagt schließlich, dass ihm nichts wehtut.

Beim nächsten Essen kann Schrapnella deshalb erst einmal darauf achten, ob wieder bestimmte Lebensmittel liegen bleiben, ob Opa Horst auffällig einseitig kaut oder ob ihm doch etwas unangenehm ist.

Mehr muss sie daraus im Moment gar nicht machen.

Merke: Wenn jemand plötzlich anders kaut oder bestimmte Lebensmittel wiederholt meidet, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Nicht um sofort eine Ursache zu vermuten, sondern um herauszufinden, ob sich beim Essen tatsächlich etwas verändert hat.


Wie geht es weiter?

Beim nächsten Besuch bringt Schrapnella tatsächlich etwas mit, das Opa Horst garantiert nicht lange kauen muss.

Ob er sich darüber freut, ist eine andere Frage.

Und diesmal schaut Schrapnella nicht nur auf seinen Teller.

Fortsetzung folgt.


Hinweis

Opa Horst, Schrapnella sowie alle weiteren Personen, Gespräche, Situationen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Namen oder Ereignissen sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

Die Inhalte dieser Geschichte sowie des Abschnitts „Was steckt dahinter? – Pflegewissen“ dienen der allgemeinen Information und sollen zum Beobachten, Nachdenken und Perspektivwechsel anregen. Sie stellen keine individuelle medizinische, pflegerische oder therapeutische Beratung dar.

Veränderungen beim Kauen oder Essen können unterschiedliche Ursachen haben. Bei Schmerzen, anhaltenden Beschwerden, auffälligen Veränderungen im Mund oder Problemen mit Zahnersatz sollte die Ursache fachlich beziehungsweise zahnärztlich abgeklärt werden.

Bereich: Pflege verstehen

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