Alle Beiträge
Pflege zu Hause – wer hilft mir wobei?
WissensartikelPflege verstehenAngehörige & Entlastung04. September 2026· 8 Min. Lesezeit

Pflege zu Hause – wer hilft mir wobei?

Pflege zu Hause wirft viele Fragen auf – aber wer hilft eigentlich wobei? Hier erfährst du, an wen du dich bei Pflegefragen, Medikamenten, Therapien, Hilfsmitteln oder Problemen im Alltag wenden kannst und wo du diese Hilfe findest.

Pflege zu Hause – wer hilft mir wobei?

Wer einen Angehörigen pflegt, kennt wahrscheinlich irgendwann diesen Moment:

Ich brauche Hilfe – aber wen frage ich eigentlich?

Wer hilft bei Problemen mit der Körperpflege? Wo bekomme ich einen Rollator? Wer kann Bewegungsübungen zeigen? Wen frage ich nach Pflegeleistungen? Und was mache ich, wenn ich überhaupt nicht weiß, welche Unterstützung wir brauchen?

Du musst nicht alle Möglichkeiten des Pflege- und Gesundheitssystems kennen. Wichtig ist vor allem zu wissen, wo du mit deiner Frage anfangen kannst.

Pflegedienst und Pflegefachpersonen – wenn es um den Pflegealltag geht

Pflegefachpersonen kennen viele Probleme, die im täglichen Umgang mit Pflegebedürftigkeit auftreten.

Ein ambulanter Pflegedienst kann deshalb ein guter Ansprechpartner sein, wenn es zum Beispiel um Körperpflege, Mobilität, Hautbeobachtung, Essen und Trinken, Ausscheidung, Lagerung oder Veränderungen des Pflegebedarfs geht.

Wenn bereits ein Pflegedienst ins Haus kommt, sprich Veränderungen und Unsicherheiten ruhig dort an. Pflegefachkräfte erleben die Person in ihrer häuslichen Umgebung und können häufig erkennen, wo Unterstützung notwendig ist oder ob eine weitere Abklärung sinnvoll wäre.

Auch wenn bisher kein Pflegedienst beteiligt ist, kannst du einen ambulanten Pflegedienst in deiner Nähe anrufen und zunächst fragen, welche Beratung oder Unterstützung angeboten wird.

Nicht jeder Pflegedienst kann allerdings jede Anfrage kostenlos oder ohne bestehenden Versorgungsauftrag übernehmen.

Bei einem bestehenden Pflegegrad gibt es außerdem gesetzlich vorgesehene Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI. Dabei kann auch die häusliche Pflegesituation besprochen werden.

Pflegekasse und Pflegeberatung – wenn es um Leistungen und Organisation geht

Sobald Pflegebedürftigkeit eine Rolle spielt, tauchen häufig ganz andere Fragen auf:

Wie beantragen wir einen Pflegegrad? Welche Leistungen stehen uns zu? Welche Entlastungsmöglichkeiten gibt es? Welche Unterstützung ist zu Hause möglich? Welche Pflegehilfsmittel kommen infrage? Was können wir tun, wenn die Pflege zu Hause schwieriger wird?

Dann sind die Pflegekasse und die Pflegeberatung wichtige Ansprechpartner.

Die Pflegekasse gehört zur jeweiligen Krankenkasse. Du kannst dich also an die Kranken- beziehungsweise Pflegekasse der pflegebedürftigen Person wenden und nach einer Pflegeberatung fragen.

Pflegeversicherte haben einen gesetzlichen Anspruch auf Pflegeberatung. Dabei kann gemeinsam geschaut werden, welche Leistungen und Unterstützungsangebote zur persönlichen Situation passen.

Pflegestützpunkt – wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst

Ein Pflegestützpunkt ist besonders hilfreich, wenn viele Fragen gleichzeitig auftauchen oder du überhaupt nicht weißt, welche Unterstützung infrage kommt.

Dort bekommst du Informationen und Hilfe rund um Pflege, Versorgung und soziale Leistungen. Pflegestützpunkte können außerdem verschiedene Angebote vor Ort miteinander verknüpfen.

Du kannst dich zum Beispiel dorthin wenden, wenn du wissen möchtest:

Welche Unterstützung gibt es überhaupt? Welche Anträge müssen gestellt werden? Welche Entlastungsangebote gibt es in unserer Region? Wie kann die Wohnung angepasst werden? Gibt es dafür Zuschüsse? Welche Versorgung kommt infrage, wenn es zu Hause schwieriger wird?

Wo finde ich einen Pflegestützpunkt?

Pflegestützpunkte sind regional organisiert.

Du kannst bei der Kranken- oder Pflegekasse nach dem zuständigen Pflegestützpunkt fragen. Auch Städte, Gemeinden und Landkreise informieren über Beratungsangebote vor Ort.

Zusätzlich gibt es eine bundesweite Datenbank des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), über die Pflegestützpunkte gesucht werden können.

Du musst beim ersten Kontakt noch nicht wissen, welche Leistung du benötigst. Du kannst einfach deine Situation schildern:

„Ich pflege einen Angehörigen und weiß gerade nicht, welche Unterstützung für uns infrage kommt. Können Sie mir weiterhelfen?“

Genau für solche Fragen sind Pflegestützpunkte eine gute Anlaufstelle.

Apotheke – wenn es um Medikamente geht

Gerade wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, kann es schwierig werden, den Überblick zu behalten.

Dann ist die Apotheke ein wichtiger Ansprechpartner.

Nimm am besten einen aktuellen Medikamentenplan mit. Erzähle auch, welche Medikamente ohne Rezept gekauft, nur gelegentlich eingenommen oder in einer anderen Apotheke geholt werden. Nahrungsergänzungsmittel sollten ebenfalls genannt werden.

Du kannst zum Beispiel fragen:

Passen die Medikamente zusammen? Gibt es mögliche Wechselwirkungen? Wie und wann soll ein Medikament eingenommen werden? Gibt es Probleme bei der Anwendung? Könnte eine beobachtete Veränderung möglicherweise mit einem Medikament zusammenhängen?

Es kann praktisch sein, möglichst regelmäßig dieselbe Apotheke zu nutzen. Trotzdem solltest du nicht davon ausgehen, dass dort automatisch jedes eingenommene Präparat bekannt ist.

Für Menschen, die dauerhaft mehrere verordnete Medikamente einnehmen, gibt es unter bestimmten Voraussetzungen außerdem eine ausführliche pharmazeutische Medikationsberatung. Dabei wird die Gesamtmedikation einschließlich der Selbstmedikation betrachtet.

Medikamente niemals eigenständig absetzen oder ihre Dosierung verändern.

Physiotherapie – Bewegung, Kraft und Beweglichkeit

Bei der Physiotherapie geht es vor allem um Bewegung, Beweglichkeit, Kraft und körperliche Funktionen.

Sie kann zum Beispiel sinnvoll sein bei:

unsicherem Gehen Problemen mit dem Gleichgewicht nachlassender Kraft eingeschränkter Beweglichkeit Schwierigkeiten beim Aufstehen Bewegungsproblemen nach einer Erkrankung oder Operation

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten können Bewegungsabläufe beurteilen und geeignete Übungen anleiten.

Das ist besonders hilfreich, wenn du nicht weißt, welche Übungen überhaupt geeignet sind. Nicht jede Übung passt zu jedem Menschen.

Ergotherapie – wenn der Alltag nicht mehr so gut funktioniert

Bei der Ergotherapie geht es vor allem darum, alltägliche Tätigkeiten möglichst selbstständig und sicher bewältigen zu können.

Ergotherapie ist also weit mehr als „Beschäftigung“.

Sie kann zum Beispiel unterstützen bei:

Anziehen Waschen Essen und Trinken Greifen und Halten Aufstehen und Umsetzen Orientierung im Alltag Umgang mit Hilfsmitteln alltäglichen Tätigkeiten nach einer Erkrankung oder Verletzung

Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten schauen sehr praktisch darauf, was im Alltag nicht mehr gut funktioniert und wie es wieder leichter oder sicherer werden kann.

Logopädie – Sprache, Sprechen, Stimme und Schlucken

Logopädie beschäftigt sich mit Sprache, Sprechen, Stimme und Schlucken.

Sie ist deshalb nicht nur für Menschen da, die Schwierigkeiten beim Sprechen haben.

Logopädische Unterstützung kann zum Beispiel relevant sein, wenn jemand:

häufig beim Essen oder Trinken hustet oder sich verschluckt Schwierigkeiten beim Schlucken hat nach einer Erkrankung Probleme beim Sprechen entwickelt Wörter nicht mehr richtig bilden kann Sprache schlechter versteht

Gerade neu aufgetretene oder zunehmende Schluckprobleme sollten medizinisch abgeklärt werden.

Podologie – medizinische Behandlung der Füße

Bei der Podologie geht es um die medizinische Behandlung bestimmter Erkrankungen und krankhafter Veränderungen der Füße.

Podologie ist damit nicht dasselbe wie eine gewöhnliche kosmetische Fußpflege.

Bei bestimmten Erkrankungen und Voraussetzungen kann eine podologische Behandlung als Heilmittel verordnet werden.

Bei Schmerzen, Wunden oder anderen auffälligen Veränderungen an den Füßen sollte zunächst geklärt werden, welche Behandlung notwendig ist.

Wie finde ich Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Podologie?

Wenn eine solche Behandlung notwendig sein könnte, kann zunächst medizinisch geklärt werden, welche Therapie sinnvoll ist und ob eine Verordnung benötigt wird.

Für die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse müssen Heilmittel grundsätzlich medizinisch notwendig und entsprechend verordnet sein.

Praxen für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie kannst du über die Heilmittelerbringerliste des GKV-Spitzenverbandes in deiner Nähe suchen.

Auch deine Krankenkasse kann dir bei der Suche nach geeigneten zugelassenen Praxen helfen.

Sanitätshaus und Hilfsmittelanbieter – Rollator, Rollstuhl und Co.

Wenn ein Hilfsmittel benötigt wird, kommt häufig das Sanitätshaus ins Spiel.

Hilfsmittel sind zum Beispiel Rollatoren, Rollstühle und viele andere Produkte, die körperliche Einschränkungen ausgleichen oder den Alltag erleichtern sollen.

Sanitätshäuser beziehungsweise Hilfsmittelanbieter können je nach Hilfsmittel bei Versorgung, Anpassung und Einweisung unterstützen.

Wichtige Fragen sind zum Beispiel:

Welches Hilfsmittel könnte zur Situation passen? Ist die Größe oder Einstellung richtig? Wie wird es sicher benutzt? Brauche ich eine Verordnung? Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Wichtig: Nicht einfach vorschnell ein teures Hilfsmittel privat kaufen.

Medizinisch notwendige Hilfsmittel können unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen werden. Je nach Hilfsmittel kann eine ärztliche Verordnung notwendig sein.

Deshalb lohnt es sich, vor einem größeren Kauf zu klären, wie die Versorgung und mögliche Kostenübernahme geregelt werden kann.

Pflegehilfsmittel – hier kann die Pflegekasse zuständig sein

Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel klingen ähnlich, sind aber nicht dasselbe.

Ein medizinisches Hilfsmittel, beispielsweise ein Rollator, kann in den Bereich der Krankenkasse fallen.

Pflegehilfsmittel sollen dagegen die Pflege erleichtern, Beschwerden lindern oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten.

Wenn du nicht weißt, ob Kranken- oder Pflegekasse zuständig ist, musst du das nicht selbst herausfinden. Frage bei der Kasse, der Pflegeberatung oder einem Pflegestützpunkt nach.

Wohnraumberatung – wenn die Wohnung nicht mehr zur Situation passt

Manchmal liegt die Schwierigkeit darin, dass die Wohnung nicht mehr zu den Fähigkeiten der Person passt.

Zum Beispiel:

Der Einstieg in die Badewanne gelingt nicht mehr. Treppen werden zum Problem. Türen oder Wege sind für einen Rollator zu eng. Es fehlen geeignete Haltemöglichkeiten. Stolperfallen lassen sich nicht einfach beseitigen.

Dann kann eine Wohnraumberatung helfen, die Situation anzusehen und mögliche Veränderungen zu besprechen.

Auch ein Pflegestützpunkt oder eine Pflegeberatung kann eine gute erste Adresse sein. Dort kannst du außerdem nachfragen, ob für bestimmte Maßnahmen Zuschüsse oder andere Leistungen infrage kommen.

Und wenn ich überhaupt nicht weiß, wen ich fragen soll?

Dann fang nicht damit an, sämtliche Stellen selbst durchzutelefonieren.

Eine sehr gute erste Frage ist:

Geht es hauptsächlich um Pflege, Leistungen und Unterstützung im Alltag?

Dann können Pflegekasse, Pflegeberatung oder Pflegestützpunkt ein guter Anfang sein.

Geht es um ein konkretes Problem im täglichen Pflegealltag?

Dann kann eine Pflegefachperson oder ein Pflegedienst weiterhelfen.

Geht es um Medikamente?

Dann ist die Apotheke eine wichtige Anlaufstelle.

Geht es um Bewegung oder darum, alltägliche Fähigkeiten wieder besser bewältigen zu können?

Dann können Physiotherapie oder Ergotherapie eine Rolle spielen.

Geht es um ein Hilfsmittel?

Dann können Sanitätshaus beziehungsweise Hilfsmittelanbieter weiterhelfen – die medizinische Notwendigkeit und Kostenübernahme sollte dabei vorher geklärt werden.

Und wenn du selbst überhaupt nicht einordnen kannst, welche Unterstützung gebraucht wird, ist ein Pflegestützpunkt oder eine Pflegeberatung ein guter Ort, um zunächst Orientierung zu bekommen.

Du musst nicht schon wissen, wie die Lösung heißt.

Es reicht, wenn du beschreiben kannst, wo gerade das Problem liegt.

Quellen

Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Pflegestützpunkte und Pflegeberatung. Informationen zu Pflegeberatung, regionalen Hilfsangeboten, Leistungen und Unterstützung bei der Organisation der Pflege.

gesund.bund.de: Heilmittel – ein Überblick sowie Heilmittel, Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Informationen zu Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Podologie, Verordnung und Kostenübernahme sowie zur Suche nach zugelassenen Therapeutinnen und Therapeuten.

GKV-Spitzenverband: Heilmittelerbringerliste. Suche nach zugelassenen Praxen für Physiotherapie, Ergotherapie, Podologie sowie Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie.

ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation. Informationen zur pharmazeutischen Prüfung der Gesamtmedikation einschließlich Selbstmedikation, Wechselwirkungen, Doppelmedikation und Anwendungsproblemen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information für pflegende Angehörige, Auszubildende und Interessierte. Er ersetzt keine individuelle pflegerische, medizinische oder therapeutische Beratung.

Bereich: Pflege verstehen

0

Das könnte dich auch interessieren

Wahrnehmen und Beobachten in der Pflege
WissensartikelPflege verstehenPflege zu Hause11. August 2026· 4 Min.

Wahrnehmen und Beobachten in der Pflege

Manchmal sind es die kleinen Veränderungen, die uns zeigen, dass etwas nicht stimmt – ein anderer Geruch, weniger Appetit oder ein unsicherer Gang. Erfahre, warum aufmerksames Wahrnehmen und Beobachten in der Pflege so wichtig ist und worauf du im Alltag achten kannst.

Weiterlesen
Wahrnehmen und Beobachten in der Pflege
Opa Horst und das Licht im Dunkeln
Folge 8Opa-Horst-GeschichtePflege verstehenMobilität & Sturz04. September 2026· 5 Min.

Opa Horst und das Licht im Dunkeln

Eine Tasche im dunklen Flur bringt Schrapnella zum Nachdenken. Waren all die kleinen Veränderungen der letzten Wochen wirklich nur Kleinigkeiten – oder lohnt es sich, einmal genauer hinzusehen?

Weiterlesen
Opa Horst und das Licht im Dunkeln

Community

Die Kommentarfunktion ist noch nicht freigeschaltet. Wenn dich ein Beitrag berührt oder du deine Geschichte teilen möchtest, schreib mir gern eine E-Mail an challenge-ju-life@web.de.

challenge-ju-life@web.de