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Opa Horst und das Badezimmer
Folge 3Opa-Horst-GeschichtePflege verstehenKörperpflege & Haut11. August 2026· 6 Min. Lesezeit

Opa Horst und das Badezimmer

Teil der Serie: Opa Horst – Pflege verstehen ohne Fachchinesisch

Seit der „trockenen Dusche“ schaut Schrapnella genauer hin. Opa Horst braucht noch keine Hilfe bei seiner Körperpflege – er hat längst eigene Wege gefunden, mit Dingen umzugehen, die anstrengender geworden sind. Diesmal nimmt Schrapnella nicht ihren Vater genauer unter die Lupe, sondern sein Badezimmer.

Manchmal reicht schon ein Hocker

Seit der Sache mit der trockenen Dusche hatte Schrapnella eine neue Angewohnheit.

Sie beobachtete Opa Horst.

Nicht auffällig natürlich.

Zumindest glaubte sie das.

„Was guckst du schon wieder?“

Offenbar glaubte nur sie das.

„Ich gucke gar nicht.“

Opa Horst legte seine Zeitung ein Stück tiefer.

„Du guckst seit fünf Minuten.“

„Ich denke nach.“

„Dann mach das woanders.“

Schrapnella grinste.

Eigentlich dachte sie tatsächlich nach.

Über das, was Opa Horst ihr erzählt hatte.

Duschen war für ihn inzwischen anstrengender.

Nicht unmöglich.

Nicht:

Ich kann das nicht mehr.

Einfach nur anstrengender.

Und deshalb hatte Opa Horst etwas getan, das eigentlich ziemlich vernünftig war:

Er hatte seine Gewohnheit verändert.

Seitdem wusch er sich am Waschbecken und setzte sich zwischendurch hin.

Problem gelöst.

Zumindest für Opa Horst.

Schrapnella war trotzdem neugierig geworden.

„Papa?“

Hinter der Zeitung kam ein Seufzen hervor.

„Was?“

„Zeigst du mir mal dein Badezimmer?“

Jetzt verschwand die Zeitung ganz.

„Mein was?“

„Dein Badezimmer.“

Opa Horst starrte sie an.

„Du weißt, wo das ist.“

„Ja.“

„Du warst da auch schon drin.“

„Auch richtig.“

„Dann hast du es gesehen.“

Schrapnella musste lachen.

„Ich möchte mir die Dusche ansehen.“

Opa Horst musterte sie misstrauisch.

„Warum?“

„Weil ich wissen will, was daran so anstrengend ist.“

„Ich habe nie gesagt, dass mit der Dusche etwas nicht stimmt.“

„Dann zeig sie mir.“

„Die sieht aus wie gestern.“

„Papa.“

„Schrapnella.“

Zwei Dickköpfe.

Ein Badezimmer.

Das konnte dauern.

Fünf Minuten später standen sie trotzdem gemeinsam davor.

Schrapnella sah hinein.

Waschbecken.

Toilette.

Dusche.

Handtücher.

Eigentlich nichts Besonderes.

„Und?“, fragte Opa Horst.

„Ich gucke.“

„Das sehe ich.“

Schrapnella trat näher an die Dusche.

„Was genau nervt dich daran?“

„Nichts.“

Sie drehte sich um.

„Papa.“

„Was willst du denn hören?“

„Die Wahrheit wäre ein Anfang.“

Opa Horst verschränkte die Arme.

„Reingehen. Duschen. Haare waschen. Abtrocknen. Wieder raus. Dabei die ganze Zeit stehen.“

„Und das ist am Waschbecken besser?“

„Ja.“

„Warum?“

Opa Horst zeigte auf den kleinen Hocker neben dem Waschbecken.

„Deswegen.“

Schrapnella sah den Hocker an.

Dann Opa Horst.

Dann wieder den Hocker.

„Den hast du da hingestellt?“

„Nein. Der ist nachts von allein reingelaufen.“

„Papa!“

„Natürlich habe ich den hingestellt.“

Schrapnella grinste.

Da war sie wieder.

Opa Horsts eigene Lösung.

Wenn ihm das Stehen zu anstrengend wurde, setzte er sich.

So einfach.

Dann sah sie sich den Hocker etwas genauer an.

„Papa, der ist aus Holz.“

Opa Horst blickte auf den Hocker.

„Das weiß ich.“

„Und den stellst du doch nicht mit unter die Dusche.“

Opa Horst sah sie an, als hätte sie gerade etwas ausgesprochen, das vollkommen selbstverständlich war.

„Natürlich nicht.“

Schrapnella überlegte kurz.

Dann zeigte sie erst auf den Hocker und anschließend auf die Dusche.

„Weißt du was? Wir bestellen dir einen richtigen Duschhocker aus Kunststoff.“

Opa Horsts Gesicht verfinsterte sich.

„Wir bestellen gar nichts.“

„Doch.“

„Nein.“

„Papa.“

„Schrapnella.“

Sie grinste.

„Dann könntest du ihn hier am Waschbecken benutzen und zum Duschen mitnehmen.“

„Ich habe einen Hocker.“

„Aus Holz.“

„Der funktioniert.“

„Hier.“

„Reicht doch.“

Schrapnella sah zur Dusche.

„Aber vielleicht würdest du wieder duschen, wenn du dich dabei hinsetzen könntest.“

Opa Horst schwieg.

Das war immerhin mehr, als sie erwartet hatte.

„Ich brauche keinen Pflegehocker.“

„Duschhocker.“

„Dasselbe.“

„Nein.“

„Sieht wahrscheinlich genauso aus.“

Schrapnella musste lachen.

„Es geht doch gar nicht darum, dass du plötzlich Hilfe beim Waschen brauchst.“

Opa Horst sah sie skeptisch an.

„Sondern?“

„Darum, dass du dich hinsetzen kannst, wenn dir das Stehen zu anstrengend wird.“

Opa Horst blickte wieder zum Waschbecken.

Dann zur Dusche.

Und schließlich auf seinen Holzhocker.

„Und der aus Plastik kann beides?“

„Wenn wir einen passenden nehmen, können wir schauen, ob er sich für beides eignet und an beiden Stellen sicher steht.“

Opa Horst schwieg wieder.

Schrapnella kannte dieses Schweigen inzwischen.

Es bedeutete nicht Ja.

Aber es war auch kein Nein mehr.

„Ich kann ja mal gucken“, sagte sie.

„Gucken kannst du.“

Schrapnella grinste.

Das war bei Opa Horst vermutlich schon fast eine Bestellung.

Sie sah sich noch einmal im Badezimmer um.

Bis vor Kurzem hatte sie immer gedacht:

Opa Horst duscht nicht mehr.

Jetzt sah sie etwas anderes.

Opa Horst hatte längst selbst eine Möglichkeit gefunden, mit einer Tätigkeit umzugehen, die ihm inzwischen mehr Kraft kostete.

Und vielleicht musste man seine Lösung gar nicht ersetzen.

Vielleicht konnte man sie einfach ein kleines bisschen besser machen.


Was steckt dahinter? – Pflegewissen

Inzwischen weiß Schrapnella, warum Opa Horst nicht mehr wie früher duscht.

Und diesmal entdeckt sie noch etwas:

Opa Horst hat längst selbst eine Lösung gefunden.

Wenn ihm das längere Stehen am Waschbecken zu anstrengend wird, setzt er sich auf seinen Holzhocker.

Schrapnella muss ihm also nicht erklären, dass er Unterstützung braucht. Viel sinnvoller ist die Frage:

Kann man seine eigene Lösung so verändern, dass sie ihm noch mehr Möglichkeiten gibt?

Genau hier kommen kleine Hilfsmittel ins Spiel.

Ein geeigneter Duschhocker kann beispielsweise eine Möglichkeit sein, beim Duschen zu sitzen. Je nach Modell, Badezimmer und sicherer Aufstellung kann eine geeignete Sitzhilfe eventuell auch am Waschbecken genutzt werden.

Dabei sollte nicht einfach irgendein Hocker in die Dusche gestellt werden. Die Sitzhilfe muss für den vorgesehenen Einsatz geeignet sein, stabil stehen und zur Person sowie zu den räumlichen Gegebenheiten passen.

Und wenn keine Dusche vorhanden ist?

Bei einer Badewanne kann beispielsweise ein Badewannenbrett eine mögliche Alternative sein. Es bietet eine Sitzfläche über der Badewanne, sodass die Körperpflege beziehungsweise das Abduschen im Sitzen möglich sein kann.

Allerdings eignet sich ein Badewannenbrett nicht automatisch für jeden Menschen. Die für die Benutzung erforderliche Beweglichkeit muss noch vorhanden sein. Dazu gehören insbesondere das sichere Hinsetzen beziehungsweise Umsetzen und das kontrollierte Bewegen der Beine über den Wannenrand. Auch Kraft, Gleichgewicht und die konkrete Badezimmer-Situation spielen eine Rolle.

Bei Unsicherheit sollte deshalb fachlich geprüft werden, welche Lösung geeignet und sicher ist.

Bei Opa Horst geht es also weiterhin nicht darum, ihm etwas abzunehmen.

Schrapnella versucht vielmehr, das weiterzuführen, was er selbst längst begonnen hat:

seinen Alltag an seine Möglichkeiten anzupassen.

Merke: Ein Hilfsmittel bedeutet nicht automatisch: „Das kannst du nicht mehr.“ Es kann genauso gut bedeuten: „So kannst du es weiterhin selbst machen.“ Opa Horst kann seine Körperpflege weiterhin selbst übernehmen.


Wie geht es weiter?

Für Schrapnella ist die Sache mit dem Badezimmer damit erst einmal geklärt.

Zumindest fast.

Denn seit sie angefangen hat, genauer hinzusehen, fällt ihr etwas auf:

Der Hocker im Badezimmer ist offenbar nicht die einzige kleine Veränderung, die Opa Horst in letzter Zeit vorgenommen hat.

Und plötzlich beginnt Schrapnella sich zu fragen:

Wo hat Opa Horst seinen Alltag noch verändert, ohne ein Wort darüber zu verlieren?

Beim nächsten Besuch schaut sie deshalb nicht nur ins Badezimmer.

Sie schaut sich in der Wohnung genauer um.

Und Opa Horst wird ziemlich schnell merken, dass Schrapnella einen neuen Lieblingssatz hat:

„Papa, warum steht das jetzt eigentlich da?“


Hinweis

Opa Horst, Schrapnella sowie alle weiteren Personen, Gespräche, Situationen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Namen oder Ereignissen sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

Die Inhalte dieser Geschichte sowie des Abschnitts „Was steckt dahinter? – Pflegewissen“ dienen der allgemeinen Information und sollen zum Beobachten, Nachdenken und Perspektivwechsel anregen. Sie stellen keine individuelle medizinische, pflegerische oder therapeutische Beratung dar.

Welche Hilfsmittel geeignet und sicher sind, hängt von der individuellen Situation, den Fähigkeiten der betreffenden Person und den räumlichen Gegebenheiten ab. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Unsicherheiten oder Fragen zur Auswahl und sicheren Nutzung von Hilfsmitteln sollte fachlicher Rat eingeholt werden.

Bereich: Pflege verstehen

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