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Opa Horst und die wackelige Prothese
Folge 10Opa-Horst-GeschichtePflege verstehenKörperpflege & Haut05. Oktober 2026· 5 Min. Lesezeit

Opa Horst und die wackelige Prothese

Teil der Serie: Opa Horst – Pflege verstehen ohne Fachchinesisch

Nach dem Essen verschwindet Opa Horst regelmäßig im Badezimmer. Als Schrapnella diesmal genauer hinsieht, versteht sie auch warum: Seine Prothese will nach dem Reinigen einfach nicht mehr so sitzen, wie sie soll.

Das Ding sitzt. Angeblich.

Nach dem Mittagessen stand Opa Horst auf.

Teller in die Küche.

Besteck in die Spüle.

Dann verschwand er Richtung Badezimmer.

Schrapnella räumte den Tisch ab.

Ein paar Minuten später kam Opa Horst zurück.

Beim nächsten Essen war es genauso.

Teller weg.

Bad.

Zurück.

Beim dritten Mal fiel es Schrapnella dann doch auf.

„Papa?“

Opa Horst blieb stehen.

„Was?“

„Musst du schon wieder ins Bad?“

„Müssen muss ich gar nichts.“

„Du weißt, was ich meine.“

„Dann frag ordentlich.“

Schrapnella stellte die Teller zusammen.

„Warum gehst du eigentlich nach dem Essen immer ins Bad?“

Opa Horst deutete auf seinen Mund.

„Wegen dem Ding.“

Schrapnella brauchte einen Moment.

„Deine Prothese?“

„Was denn sonst?“

„Keine Ahnung. Deshalb frage ich.“

Opa Horst ging weiter.

„Da hängt manchmal was drunter.“

Das erklärte einiges.

Schrapnella nahm die Teller und brachte sie in die Küche.

Als sie anschließend am Badezimmer vorbeikam, stand Opa Horst vor dem Waschbecken.

Die Prothese lag in seiner Hand.

Er reinigte sie sorgfältig.

Spülte sie ab.

Spülte auch seinen Mund.

Bis dahin sah alles ziemlich routiniert aus.

Offenbar machte er das nicht erst seit gestern.

Dann setzte er die Prothese wieder ein.

Drückte rechts.

Drückte links.

Bewegte den Unterkiefer.

Schob mit der Zunge.

Schrapnella blieb im Türrahmen stehen.

Opa Horst drückte noch einmal.

Dann sah er in den Spiegel.

Schob wieder mit der Zunge.

Nahm die Prothese noch einmal heraus.

Spülte sie ab.

Setzte sie wieder ein.

Schrapnella sagte nichts.

Opa Horst sah sie im Spiegel.

„Was guckst du?“

„Ich bewundere deine Technik.“

„Welche Technik?“

„Rein. Drücken. Wackeln. Wieder raus. Noch mal rein.“

Opa Horst drehte sich zu ihr.

„Die sitzt.“

In genau diesem Moment schob er sie mit der Zunge wieder zurecht.

Schrapnella hob eine Augenbraue.

„Was?“

„Nichts.“

„Dann guck nicht so.“

Schrapnella lehnte sich an den Türrahmen.

„Machst du das jedes Mal?“

„Was?“

„Das ganze Theater.“

„Das ist kein Theater.“

„Wie nennt man es dann?“

Opa Horst nahm sein Handtuch.

„Mundpflege.“

„Das Rein-raus-rein auch?“

„Wenn da was drunter ist, muss ich es sauber machen.“

„Das verstehe ich.“

Opa Horst nickte zufrieden.

„Na also.“

„Aber warum drückst du danach fünf Minuten daran herum?“

„Fünf Minuten.“

„Ungefähr.“

„Du übertreibst.“

„Drei?“

Opa Horst hängte das Handtuch zurück.

„Manchmal sitzt sie eben nicht gleich.“

Da war er.

Der Satz, auf den Schrapnella gewartet hatte.

„Und dann?“

„Dann mach ich sie passend.“

„Wie macht man eine Prothese passend?“

Opa Horst zeigte auf seine Zunge.

„So.“

Schrapnella musste lachen.

„Und das funktioniert?“

„Irgendwann.“

Opa Horst wollte an ihr vorbeigehen.

„Drückt die auch?“

Er blieb stehen.

„Manchmal.“

„Beim Essen?“

„Danach.“

„Deshalb gehst du immer ins Bad?“

Opa Horst zuckte mit den Schultern.

„Wenn ich sie sauber mache und wieder ordentlich reinsetze, geht's meistens.“

Für ihn klang das vollkommen normal.

Und wahrscheinlich war es das inzwischen auch.

Schrapnella sah ihn an.

„Seit wann machst du das so?“

„Keine Ahnung.“

„Ein paar Tage?“

„Länger.“

„Ein paar Wochen?“

Opa Horst verzog das Gesicht.

„Schrapnella.“

„Ich frage doch nur.“

„Schon länger.“

Da war sie.

Opa Horsts ziemlich großzügige Zeitangabe für alles, worüber er nicht weiter reden wollte.

Schrapnella trat einen Schritt näher.

„Zeig mal.“

„Was?“

„Deinen Mund.“

Opa Horst sah sie an, als hätte sie gerade den Verstand verloren.

„Ich bin doch kein Pferd.“

Schrapnella fing an zu lachen.

„Ich will dich ja nicht kaufen.“

„Dann musst du mir auch nicht ins Maul gucken.“

„Ich will nur sehen, ob irgendwo was rot ist oder drückt.“

„Nein.“

„Woher weißt du das?“

„Weil es mein Mund ist.“

Das Argument war schwer zu schlagen.

Schrapnella ließ es gut sein.

Für heute.

Opa Horst ging zurück ins Wohnzimmer.

Nach ein paar Schritten blieb er stehen.

Die Zunge wanderte wieder über die Prothese.

Ein kleiner Druck mit dem Kiefer.

Dann ging er weiter.

Schrapnella stand noch immer im Flur.

Diesmal musste sie gar nichts mehr fragen.


Was steckt dahinter? – Pflegewissen

Opa Horst kümmert sich selbst um seine Prothese.

Er nimmt sie heraus, reinigt sie und spült seinen Mund.

Das ist erst einmal etwas Gutes.

Auffällig ist etwas anderes:

Die Prothese scheint ihm immer wieder Probleme zu machen.

Nach dem Essen drückt oder stört sie. Beim Wiedereinsetzen sitzt sie nicht sofort richtig und Opa Horst versucht, sie mit Zunge und Kiefer zurechtzuschieben.

Für ihn gehört das inzwischen offenbar einfach dazu.

Beschwerden mit Zahnersatz sollte man aber nicht dauerhaft als normal hinnehmen.

Wenn eine Prothese wiederholt drückt, scheuert, locker sitzt, beim Kauen stört oder immer wieder zurechtgeschoben werden muss, lohnt sich eine genauere Abklärung.

Auch die Mundschleimhaut gehört dabei in den Blick. Druck- oder Scheuerstellen können sich beispielsweise durch Rötungen oder empfindliche Stellen bemerkbar machen.

Zur Mundpflege gehört deshalb nicht nur die Reinigung des Zahnersatzes.

Auch der Mund selbst braucht Aufmerksamkeit.

Bei Opa Horst wissen wir noch nicht, warum seine Prothese nicht mehr so problemlos sitzt wie früher.

Das müssen Schrapnella und Opa Horst auch nicht selbst herausfinden.

Aber Schrapnella hat inzwischen einen guten Grund für eine ziemlich einfache Frage.

Merke: Wenn Zahnersatz regelmäßig drückt, wackelt oder beim Essen Probleme macht, sollte man sich nicht einfach daran gewöhnen.


Wie geht es weiter?

Schrapnella lässt Opa Horsts Prothese für heute in Ruhe.

Eine Frage hat sie allerdings noch.

„Papa, wann warst du eigentlich das letzte Mal beim Zahnarzt?“

Fortsetzung folgt.


Hinweis

Opa Horst, Schrapnella sowie alle weiteren Personen, Gespräche, Situationen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Namen oder Ereignissen sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

Die Inhalte dieser Geschichte sowie des Abschnitts „Was steckt dahinter? – Pflegewissen“ dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische, pflegerische oder zahnärztliche Beratung.

Wiederkehrende Druckstellen, Schmerzen, Veränderungen der Mundschleimhaut, Probleme beim Kauen sowie lockerer oder störender Zahnersatz sollten zahnärztlich abgeklärt werden.

Bereich: Pflege verstehen

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