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Opa Horst und seine alten Schlappen
Folge 7Opa-Horst-GeschichtePflege verstehenMobilität & Sturz04. September 2026· 5 Min. Lesezeit

Opa Horst und seine alten Schlappen

Teil der Serie: Opa Horst – Pflege verstehen ohne Fachchinesisch

Opa Horsts alte Schlappen haben einen entscheidenden Vorteil: reinschlüpfen und fertig. Nach dem Kampf mit seinen Socken kann Schrapnella sogar verstehen, warum er sie so gerne trägt. Doch als Opa Horst mit einem Schlappen an der Teppichkante hängen bleibt, schaut sie etwas genauer hin.

Hauptsache bequem

Opa Horst war schon in der Küche.

Kaffee gekocht.

Zeitung aufgeschlagen.

Der Kampf mit den Socken vom Morgen war offenbar längst vergessen.

Schrapnella kam hinterher und setzte sich an den Tisch.

Opa Horst nahm einen Schluck Kaffee.

Dann stand er auf und ging zum Kühlschrank.

Schlurf.

Schlurf.

Schlurf.

Schrapnella sah automatisch nach unten.

Da waren sie.

Opa Horsts Schlappen.

Braun.

Alt.

Hinten offen.

Und vermutlich älter als manche seiner Möbel.

Opa Horst holte die Milch aus dem Kühlschrank und schlurfte zurück.

„Die leben auch noch“, sagte Schrapnella.

Opa Horst folgte ihrem Blick.

„Was?“

„Deine Schlappen.“

„Natürlich.“

„Wie alt sind die eigentlich?“

„Alt genug.“

„Das sehe ich.“

Opa Horst setzte sich wieder.

„Die sind bequem.“

Damit war die Sache für ihn offensichtlich geklärt.

Schrapnella betrachtete die Schlappen trotzdem etwas genauer.

Opa Horst steckte nicht wirklich darin.

Er stand eher irgendwie darauf.

Die Ferse hing hinten ein Stück über den Rand.

Beim Laufen hob er die Füße kaum an.

Und jedes Mal, wenn einer der Schlappen drohte, seinen eigenen Weg zu gehen, hielt Opa Horst ihn irgendwie mit den Zehen am Fuß.

Schrapnella musste grinsen.

„Was ist denn?“

„Nichts. Ich überlege nur, ob die noch als Schuhe durchgehen.“

„Was sollen sie denn sonst sein?“

„Sehr alte Fußuntersetzer?“

Opa Horst schnaubte.

„Ich bin zu Hause. Da brauche ich keine Schuhe.“

„Du hast doch andere Hausschuhe.“

„Die mit hinten dran?“

„Ja.“

„Viel zu umständlich.“

Opa Horst blätterte eine Seite seiner Zeitung um.

„Da muss ich erst richtig rein. Dann hinten rumfummeln. Dafür kann ich mich gleich wieder halb auf den Boden setzen.“

Schrapnella lehnte sich zurück.

Jetzt musste sie gar nicht mehr fragen.

Nach dem Theater mit den Socken am Morgen war die Sache ziemlich eindeutig.

In seine alten Schlappen konnte Opa Horst einfach hineinsteigen.

Kein Bücken.

Kein Schnüren.

Kein Gefummel.

Fuß rein.

Fertig.

Und offenbar war genau das der Grund, warum die Dinger trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch immer neben seiner Tür standen.

Später brachte Opa Horst seine Tasse zur Spüle.

Schlurf.

Schlurf.

An der Kante des kleinen Küchenteppichs blieb die Spitze seines rechten Schlappens kurz hängen.

Nur einen Moment.

Opa Horst fing sich sofort wieder.

Die Tasse blieb heil.

Opa Horst ging weiter, als wäre nichts gewesen.

Schrapnella zog die Augenbrauen hoch.

„Der Teppich war's.“

Sie musste lachen.

„Natürlich.“

„Der liegt blöd.“

„Seit ungefähr zwölf Jahren.“

„Dann liegt er seit zwölf Jahren blöd.“

Schrapnella konnte nicht anders.

„Und mit anderen Schuhen wäre natürlich überhaupt nichts passiert.“

Opa Horst stellte die Tasse in die Spüle.

„Jetzt lass meine Schuhe in Ruhe.“

„Das sind Schlappen.“

„Das sind meine Schlappen.“

Das klang endgültig.

Schrapnella stand auf und ging zu ihm.

„Ich will sie dir doch gar nicht wegnehmen.“

Opa Horst sah sie misstrauisch an.

„Was willst du dann?“

„Mal schauen, ob wir etwas finden, wo du genauso einfach reinschlüpfen kannst.“

Kurze Pause.

„Und?“

„Und was?“

„Was ist der Haken?“

„Keiner.“

Opa Horst deutete auf seine Füße.

„Dann können die bleiben.“

Schrapnella lachte.

„Bis wir was Besseres gefunden haben.“

„Das hast du jetzt gesagt.“

„Ja.“

„Ich nicht.“

Opa Horst ging zurück zum Tisch.

Schlurf.

Schlurf.

Schrapnella hörte ihm hinterher.

Vielleicht würde es gar nicht so einfach werden, Opa Horst von neuen Hausschuhen zu überzeugen.

Aber zumindest wusste sie inzwischen, was die neuen können mussten.

Sie mussten bequem sein.

Sie mussten leicht anzuziehen sein.

Und Opa Horst musste darin laufen können, ohne bei jedem zweiten Schritt seinen Schuh wieder einzufangen.


Was steckt dahinter? – Pflegewissen

Bei Opa Horsts Schlappen ist der Vorteil sofort klar:

Er kann einfach hineinschlüpfen.

Gerade wenn Bücken oder das Erreichen der Füße schwieriger geworden ist, kann das ausgesprochen angenehm sein.

Beim Schuhwerk zählt aber nicht nur, wie einfach es sich anziehen lässt.

Entscheidend ist auch, wie gut der Fuß darin sitzt.

Sehr lockere oder schlecht passende Schuhe können beim Gehen verrutschen. Bei hinten offenen Schlappen kann je nach Modell weniger Halt vorhanden sein als bei Schuhen, die den Fuß sicherer umschließen.

Auch die Sohle spielt eine Rolle. Sie sollte zum Untergrund passen und ausreichend Halt bieten.

Das bedeutet nicht, dass bequeme Hausschuhe grundsätzlich ungeeignet sind.

Im Gegenteil.

Bequemlichkeit und sicherer Halt schließen sich nicht aus.

Wer Schwierigkeiten mit dem Bücken oder Anziehen hat, kann deshalb gezielt nach Schuhen suchen, die sich leicht öffnen und anziehen lassen und trotzdem gut am Fuß sitzen.

Je nach persönlicher Beweglichkeit können beispielsweise unkomplizierte Verschlüsse oder ein langer Schuhlöffel das Anziehen erleichtern.

Und auch die Passform verdient einen Blick.

Ein Schuh, aus dem die Ferse ständig herausrutscht oder der nur durch die Zehen am Fuß gehalten wird, sitzt offensichtlich nicht optimal.

Bei Opa Horst muss deshalb nicht das bequeme Prinzip verschwinden.

Nur die Schlappen dürfen irgendwann vielleicht in Rente.

Merke: Bequeme Schuhe sind gut. Noch besser sind bequeme Schuhe, die gut passen und beim Gehen sicheren Halt bieten.


Wie geht es weiter?

Badezimmer.

Treppe.

Socken.

Schlappen.

Schrapnella denkt inzwischen nicht mehr nur über einzelne Kleinigkeiten nach.

Langsam fragt sie sich, ob sie vielleicht zusammengehören.

Fortsetzung folgt.


Hinweis

Opa Horst, Schrapnella sowie alle weiteren Personen, Gespräche, Situationen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Personen, Namen oder Ereignissen sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

Die Inhalte dieser Geschichte sowie des Abschnitts „Was steckt dahinter? – Pflegewissen“ dienen der allgemeinen Information und sollen zum Beobachten, Nachdenken und Perspektivwechsel anregen. Sie stellen keine individuelle medizinische, pflegerische oder therapeutische Beratung dar.

Aus beschriebenen Verhaltensweisen oder Veränderungen lassen sich keine Diagnosen ableiten. Bei neu auftretenden, zunehmenden oder anhaltenden Beschwerden sowie bei Unsicherheiten sollte im individuellen Fall fachlicher beziehungsweise ärztlicher Rat eingeholt werden.

Bereich: Pflege verstehen

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